Im Rahmen der Rauriser Bildungstage 2014 trafen sich die Autorinnen der Rauriser Foto- und Schreibgruppe zu einer Schreibwerkstatt unter der Leitung von Renate Welsh, einer mehrfach ausgezeichneten österreichischen Autorin. Ziel war es, zu Ehren von „unserem“  Dr. Mühlthaler, der in den wohlverdienten (Un-) Ruhestand wechselte, Texte zu verfassen, die sich mit seinem Schaffen und Wirken als Sprengelarzt im Rauriser Tal befassen. Es entstand eine bunte Mischung an Erzählungen mit lustigen und auch nachdenklichen Episoden aus verschiedenen Blickwinkeln des Lebens.
Eine erste Lesung anlässlich der Rauriser Bildungswoche, fand im September 2014 im Ammererhof, Kolm Saigurn, statt. Dieses Buch ist Herrn Dr. Mühlthaler als Erinnerung an seine Zeit als Sprengelarzt in Rauris gewidmet.
Fotografen der Gruppe unterstützen die Autorinnen.
Das Buch wurde Herrn Dr. Mühlthaler im Mai 2015 anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft feierlich überreicht.


 

Ärztewechsel in Rauris

Schwierig war es für den 36 jährigen Arzt Dr. Edwin Rosner nach Kriegsende im Jahre 1946 als Wiener am Land eine Arbeitsstelle zu bekommen. Die damaligen Bürgermeister waren Bauern und die erste Frage war: vo wo bist her ? „ Aus Wien „. , na - Weana brauchma koan. Endlich in Rauris hieß es : „jo , deafst dawei scho daubleim, owa wonn da Dr. Kelderer wieda kimb nochand muast heud vaschwindn.“ Dr. Kelderer überlebte den Krieg nicht und Dr. Rosner war bis 1976 ein gewissenhafter Sprengelarzt. Die Wohnungs- u. Ordinationsräume wurden im 2. Stock des Gemeindehauses (heutige Bücherei) zur Verfügung gestellt. Die 38 Stufen waren für die Patienten sehr beschwerlich. Nur halbwegs Gesunde erreichten die Ordination. Auf Grund der günstigen Lage der Ordinationsräume konnte die Privatsphäre der Patienten bestens gewahrt werden, denn Unfallopfer und Notfälle wurden im Vorhaus versorgt wo sich auf der einen Seite die Altersheimküche – auf der gegenüberliegenden Seite der Arrest befand und sich zugleich der alltägliche Parteienverkehr des Gemeindeamtes tummelte. Für mehrmalige Ansuchen um ebenerdige Räumlichkeiten gab es in der Gemeindestube kein Gehör - der Bau eines Besamungsstalles (heute Frisierstube Martina ) ) war den Bauern viel wichtiger. Um später für die Menschen im Raurisertal den besten Nachfolger zu finden, stellte Dr. Rosner junge , interessierte Ärzte an. Die Fähigkeiten wurden mit Plus/Minus notiert. Einer von 112 Ärzten war Dr. Mühlthaler. Jung und voller Tatendrang kam er von der Klinik nach Rauris und schreckte sich sehr als er eine veraltete Ordination vorfand. Ich meinte: Eine professionelle Behandlung hat einen höheren Stellenwert als die Einrichtung. Da gab er mir Recht. Als gebürtiger Rauriser fand sich Dr. Mühlthaler schnell zurecht und sein fachliches Wissen wurde von Dr. Rosner als hervorragend eingestuft. und die Plusspalte der Fähigkeiten war mit Vorzügen gefüllt Bei den Patienten war er sofort beliebt. Schlich er doch auf leisen Sohlen in die heimischen Schlafzimmer, bei seinen Hausbesuchen , im Gegensatz zu Dr. Rosner, der mit seinen schwarzen, hohen Lederstiefeln spät nachts in die Häuser polterte. 24 Std. Einsatzbereitschaft und noch dazu die Wochenenden – das machte am Anfang Dr. Mühlthaler zu schaffen. Dr. Rosner schöpfte Kraft in der Natur indem er täglich sein großes Grundstück , nachdenklich und besonnen Schritt für Schritt umrundete. Nach einiger Zeit harter Arbeit hatte Dr. Mühlthaler auch das Verlangen einen Spaziergang ins Grüne zu machen „ Ich muss mich kurz Entspannen und bin im Notfall auf dieser Nummer erreichbar“, sagte er zu mir. Den Zettel mit der Nr. legte ich zum Telefon. Als Dr. Rosner jedoch die Tel.Nr. der Wetterwarte am Sonnblick erblickte war die Aufregung im Hause groß. Draufhin schlenderte er nicht mehr besonnen, sondern er trampelte mit seinen Lederstiefeln schnellen Schrittes mehrmals um sein Grundstück. Den Eintrag eines roten Minuspunktes und die große Aufregung wegen so einem klitzekleinen Spaziergang ist mir bis heute unverständlich.

Traudi Silbergasser