Rauriser Literaturtage: Geschichte & Geschichten

Historisches aus Nah und Fern steht heuer im Brennpunkt der 46. Rauriser Literaturtage. Zu Gast sind bekannte Autoren - unter anderen Josef Haslinger, Erich Hackl und Robert Schindel. Auch Einheimische präsentieren heuer Beiträge zur Geschichte.

Die 58-jährige Autorin Hanna Sukare wird für ihr Prosadebüt mit dem renommierten Rauriser Literaturpreis ausgezeichnet.
Im Roman „Staubzunge“ geht es um das Schicksal einer deutsch-polnischen Familie zur Zeit des Zweiten Weltkrieges, um politische Verfolgung zur Nazi-Zeit und um Flucht.

ORF

Ausstellung der Rauriser Schreib- und Fotogruppe über einheimische Biografien

„Traumata liegen über uns wie Schleier“

Ihr Werk erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven eine Familiengeschichte über verschiedene Generationen, erzählt Sukare: „Die Traumata unserer Vorfahren, die nicht aufgearbeitet sind, die legen sich über uns wie ein Schleier. Von diesem Dunst und Nebel wissen wir oft nicht, was das überhaupt ist. Und die belasten die nachfolgenden Generationen. Ich halt es für die Verantwortung unserer Generation, die Geheimnisse dieser seltsamen Ereignisse aufzudecken.“

Rauriser erkunden Regionalgeschichte

Geschichte und Geschichten zu erzählen, damit haben sich auch etliche Einheimische beschäftigt. Die Mitglieder der Foto- und Schreibgruppe von Einheimischen haben 100 Rauriser befragt und sich bemüht, Alltägliches und Besonderes aus dem Leben dieser Menschen festzuhalten, schildert die Rauriserin Astrid Kammerer: „Wir haben Menschen befragt, die hier geboren sind und hierher gezogen sind. Jeder hat eine eigene Geschichte, und selbst die kleinste Geschichte wird ganz wunderbar.“

Story einer betagten Sennerin

Eine dieser Geschichten handelt vom Alltag einer jungen Sennerin vor 50 Jahren, wie die Chronistin Romana Jastrinsky erzählt: „Sie ist mit uns auf die Alm gefahren, und dann hat sie uns viele Geschichten erzählt, was sie als 15-Jährige im Rauriser Tal geleistet und erlebt hat.“

Die Texte mit den Geschichten der Rauriser sollen im Herbst in Buchform erscheinen.


100 Köpfe - 100 Geschichten

Die Foto- und Schreibgruppe Rauris präsentierte im vollbesetzten Raika-Saal ihr neues Projekt "100 Köpfe-100 Geschichten". Elf Autorinnen befragten seit Januar 2015 insgesamt fünfzig in Rauris lebende Personen. Spürten das Besondere und das Alltägliche im Leben der Bewohner auf. Schauten hinter die Fassade und ließen die Menschen lebendig werden mit allen Stärken und Schwächen, mit lustigen und traurigen Begebenheiten und ganz besonderen Momenten in ihrem Leben. Die Fotografinnen und Fotografen der Gruppe begleiteten die Autorinnen und setzten die sprachlichen Portraits in bildliche Portraits um. Weitere fünfzig RauriserInnen werden in den nächsten Monaten gebeten, ihre besonderen Erlebnisse zu erzählen. Die Foto- und Schreibgruppe Rauris möchte mit diesem Projekt eine Dokumentation des Lebens schaffen, die Bewohner in Wort und Bild sichtbar machen und die besonderen Momente für die nächsten Generationen festhalten. Im November 2016 werden die 100 Lebensbilder in Form eines Buches veröffentlicht. „Das Projekt findet großen Anklang und bereitet den RauriserInnen große Freude, ein Projekt von Rauriserinnen über RauriserInnen für RauriserInnen, mehr Heimat geht nicht.“, kommentiert die Gruppe das Projekt. Der Abend wurde von Lucia Buchner, Harfe, auf wundervolle Weise musikalisch umrahmt.

27. November 2015